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Carola, 16 Jahre, Cosima, 17 Jahre und Sarah, 17 Jahre, Streitschlichterinnen

Was macht ihr konkret als Streitschlichterinnen?

Sarah: Wir versuchen zusammen mit den Betroffenen Konflikte zu lösen. Wichtig ist, dass wir dabei lösungsorientiert vorgehen, das heißt, dass am Ende jede Partei mit dem Resultat zufrieden ist. Als erstes verabreden wir mit den Konfliktparteien einen Termin, separat voneinander. Wir versuchen auf die zerstrittenen Parteien möglichst objektiv zuzugehen. Um auf die entsprechenden Situationen vorbereitet zu sein, haben wir spezielle Kurse besucht, wie z. B. zum Thema "Aktives Zuhören". Dabei lernt man, wie man die Gefühle des anderen erkennen kann und während eines Gesprächs übermittelt.

Cosima: Von uns wird also keine Lösung vorgegeben, sondern wir erarbeiten Sie zusammen.

Carola: Die Parteien sollen sich am Ende verstehen und anhand der gegenseitigen Gefühle, offen für eine Lösung sein.

Carola, 16 Jahre, Cosima, 17 Jahre und Sarah, 17 Jahre, Streitschlichterinnen

Wie lange seid ihr schon dabei und was hält euch bei der Stange?

Sarah: Also, ich wollte bereits in der fünften Klasse Streitschlichterin werden. Damals wurde mir aber abgeraten, weil die Streitereien meistens in der Unterstufe stattfinden und ich daher selbst noch zu jung für diese Aufgabe war. So bin ich erst Ende achte, Anfang neunte Klasse dazugekommen. Demnach mache ich das jetzt seit drei Jahren. Interessant ist, dass es viele unterschiedliche Arten von Streitereien gibt. Dadurch ist die Tätigkeit sehr facettenreich. Die Menschen gehen sehr verschieden mit Konfliktsituationen um. Es gibt mir ein gutes Gefühl, dass ich Leuten mit dieser Arbeit helfen kann.

Cosima: Ich finde es schön zu sehen, wie sich Missverständnisse aufklären und sich die Leute wieder vertragen.

Carola: Ich glaube, dass es einem selbst viel bringt, wenn man beobachtet, wie sich die Leute streiten. Man kann dabei viel lernen. Man selbst wendet irgendwann eine ganz andere "Streitkultur" an.

Steckbrief Carola
Hobbys: Lesen, Schreiben, Schlagzeug
Lieblingsgericht: Sauerkraut und Schupfnudeln
Beste Band: Aman Amarth
Fan von: Norwegen
Traumberuf: Psychologin
 
Steckbrief Cosima
Hobbys: Gitarre, Komponieren, Schreiben, Fußball
Lieblingsgericht: Spinat mit Kartoffelbrei
Beste Band: Tori Amos, Damien Rice, Syfjan Stevens, Rachmaninow
Fan von: Irland und Musik
Traumberuf: Musikerin, Schriftstellerin, Schauspielerin
 
Steckbrief Sarah
Hobbys: Theater spielen, malen, nähen, designen, Leichtathletik, Streitschlichter
Lieblingsgericht: Linguine con frutti di mare, am liebsten italienisches Essen
Beste Band: Beatles
Fan von: Audrey Hepburn
Traumberuf: Modedesignerin
 

Was war bisher eure größte Herausforderung?

Sarah: Schwierig ist es immer dann, wenn sich ein Streit bereits über Jahre hinzieht und die Fronten verhärtet sind. Man darf nicht vergessen, dass man bei den Streitschlichtungen immer auch Menschen mit verschiedenen Ansichten, Gefühlen und Erfahrungen vor sich hat. Da kann man nicht immer eine rationale Entscheidung treffen. Außerdem haben wir in der Schule ja auch eine gewisse erzieherische Funktion, die aber nicht so weit reichen darf, dass man den Eltern irgendwelche Anschuldigungen macht und ihnen die Fehler vor Augen führt. Man sollte sich nicht in die Erziehung einmischen. Da fällt es manchmal schwer, einen Mittelweg zu finden. Manchmal bekommt man selbst Grenzen vorgeführt und muss erkennen, dass einem die Hände gebunden sind.

Cosima: Es fällt mir persönlich auch sehr schwer, meine eigene Meinung für mich zu behalten. Schließlich agieren wir als objektive Vermittler. Man muss auch immer wieder sehr geduldig sein und Durchhaltevermögen zeigen, damit man am Ende eine Lösung findet.

Carola: Wenn wir an Grenzsituationen stoßen, wie z.B. wenn ein Mitschüler gemobbt wird, dann übernimmt eine Lehrerin den Fall im so genannten Täter-Opfer-Ausgleich.

Andere gehen in der Zeit jobben oder treffen sich mit Freunden. Warum engagiert ihr euch ehrenamtlich? Spielt Geld keine Rolle?

Sarah: Im Grunde handelt es sich ja bei unserer Arbeit nicht um Freizeitverlust. Man arbeitet zusammen in einer Gruppe, lernt neue Leute kennen, hat Spaß zusammen und fährt auf Fortbildungen.

Cosima: Man erhält zwar kein Geld, aber dafür können wir Erfahrungen machen, die man in anderen Bereichen nur schwer macht.

Carola: Außerdem ist es abwechslungsreich und ein ganz anderes "Hobby" als z.B. Sport. Man kann sich im sozialen Bereich engagieren und anderen Menschen helfen.

Glaubt ihr von euren Erfahrungen später bei der Jobsuche profitieren zu können?

Sarah: Also, ich möchte später nicht im sozialen Bereich arbeiten, aber ich glaube, dass es einem in zwischenmenschlichen Beziehungen weiterhilft. Es bringt eine Bereicherung fürs eigene Leben.

Cosima: Ich weiß noch gar nicht, was ich machen will, also kann ich noch gar nicht sagen, ob es mir weiterhilft. Aber im Miteinander mit Kollegen hilft es einem bestimmt.

Carola: Also ich möchte zukünftig gerne etwas in Richtung Psychologie machen und da hat mir diese Arbeit auf jeden Fall schon einen wichtigen Einblick gegeben.

Was haltet ihr von einem verpflichtenden sozialen Jahr für alle nach der Schule?

Sarah: Von der sozialen Seite her wäre es bestimmt eine gute Idee. Allerdings von der moralischen Seite nicht, denn man zwingt eine Person dazu, sich sozial zu engagieren. Derjenige kann dann kaum die positiven Erfahrungen machen, wie jemand, der freiwillig ein soziales Jahr macht.

Cosima: Die soziale Komponente ist schon wichtig und vielleicht kann man auch Leute in Bereiche einführen, die sie vorher nicht kannten und ihnen so neue Perspektiven eröffnen. Negativ sehe ich, dass man die volle Arbeitsleistung bringt, aber kaum Lohn dafür bekommt. Das sieht man ja auch jetzt schon bei den Zivildienstleistenden und beim FSJ.

Carola: Allerdings erhält man in diesem Jahr Zusatzqualifikationen, die sich vermutlich positiv auf den Lebenslauf auswirken.

Impressum Druckversion Letzte Änderung: 25.08.2010
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