Dokumentation persönlicher und fachlicher Kompetenzen wird jetzt landesweit eingeführt
STUTTGART. Der Name kommt nicht von Qual, sondern von Qualifikation: Der neue baden-württembergische Qualipass für junge Leute soll nach dem Willen des Kultusministeriums sogar eine wichtige Ergänzung zum Schulzeugnis werden
Von Von Wieland Schmid
Wenn Jugendliche beweisen wollen, was so alles in ihnen steckt, könnten sie es künftig deutlich leichter haben. Dafür genügt ein Blick in den Qualipass: In der blauen Dokumentenmappe sind im DIN-A4-Format süuberlich sämtliche Aktivitäten aufgelistet - egal, ob im Sportverein, bei Schulprojekten oder im Jugendhaus. Sprachkurse, Ferienjobs und Nachbarschaftshilfe sind hier ebenso vermerkt wie Auslandsaufenthalte und berufliche Praktika. "Das ist einzigartig in Deutschland", sagt der Sprecher des baden-württembergischen Kultusministeriums. Sein Haus ist zurzeit dabei, den Qualipass im ganzen Südwesten für junge Leute im Alter zwischen zwölf und 25 Jahren einzuführen.
Für die Ministerialen gibt es keinen Zweifel mehr, dass sich der Qualipass als hervorragendes Instrument in das Gesamtkonzept der Lehrplanreform einfügt. Immerhin hat das Gemeinschaftsprojekt des Ministeriums, der Freudenberg-Stiftung und des Landesarbeitsamts Baden-Württemberg seinen ersten Praxistest längst hinter sich. Von April 2000 bis Mai 2001 haben hunderte von Jugendlichen in Karlsruhe, Mannheim und Weinheim erstmals das neue "Tagebuch der eigenen Aktivitäten und Stärken" geführt und teilweise auch schon bei der Lehrstellensuche erfolgreich verwendet. Vielen Arbeitgebern wurde die Entscheidung erleichtert, wenn sie die Engagements und die Beweise für die Fähigkeiten der Bewerber gleich zusammen mit den Schulzeugnissen auf den Tisch bekamen.
Nach dieser Erprobungsphase sind jetzt die Stadtkreise Mannheim, Heidelberg und Karlsruhe, die Landkreise Breisgau-Hochschwarzwald, Calw, Emmendingen, Göppingen, Lörrach, Neckar-Odenwald, Rems-Murr und Schwarzwald-Baar in Baden-Württemberg sowie der rheinland-pfälzische Kreis Badische Bergstraße fest in das Projekt eingestiegen. In zwei bis drei Jahren, so hofft man im Kultusministerium, wird der Pass bei allen baden-württembergischen Landratsämtern, Rathäusern, Jugendagenturen und Schulen erhältlich sein. Damit soll "eine wichtige Ergänzung zum Schulzeugnis" geschaffen werden, die auch die Vermittlungschancen Jugendlicher im Arbeitsmarkt steigert.
Dass die schriftliche Dokumentation ihrer außerschulischen Stärken und Aktivitäten bei Jugendlichen auf wachsendes Interesse stößt, bestätigt Birgit Schiffers. "Der Pass kommt gut an", sagt die Leiterin der landesweiten "Servicestelle Qualipass" in Sersheim (Telefon 07042/831732). "Zurzeit rufen viele bei uns an, auch von außerhalb des Landes." Rund 6.000 Dokumentenmappen wurden verschickt, neue werden bereits gedruckt.
Das Geld dafür ist vorhanden. Allein die Freudenberg-Stiftung hat für die Projektentwicklung mehr als 70.000 Euro aufgewendet. Der Europäische Sozialfonds und das Land Baden-Württemberg sorgen mit 750.000 Euro dafür, dass die Verteilung der Qualipässe an alle Interessenten zumindest für die nächsten drei Jahre gesichert ist.
Veröffentlicht in: Stuttgarter Zeitung, 04.04.2002
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